Tipps für Besichtigungen rund um Marbella

Sehenswertes im Stadtgebiet von Marbella

Mit rund 138.000 Einwohnern hat Marbella eine ideale Größe um eine geradezu dörfliche Idylle im Zentrum mit weltläufigem, großstädtischem Flair zu verknüpfen. Oberhalb der Durchgangsstraße „Avenida Ramón y Cajal“ konnte sich in der malerischen Altstadt „Casco Antiguo“ das Weiße Dorf, das Marbella einst war, bis in unsere Zeit hinüberretten. Begrenzt wird dieses Areal von der teilweise noch erhaltenen Stadtmauer, die die Mauren im 9. Jh. um ihre „Medina“ (Innenstadt) zogen.

Altstadt von Marbella

Altstadt von Marbella

Alle Wege führen irgendwann zur „guten Stube“ Marbellas, der „Plaza de los Naranjos“, so benannt nach den reichlich gepflanzten Bitterorangenbäumen, die während der Frühjahrsblüte ihren betörenden Duft „Azahar“ verströmen. Die lauschige Plaza wird vorwiegend von historischen Bauten aus dem 16. Jh., als die Christen in „Al-Andaluz“ das Regiment übernahmen, eingerahmt. Als erstes christliches Gotteshaus wurde schon im späten 15. Jh. eine kleine, „Ermita de Santiago“ genannte Kapelle, errichtet. Später kamen mit der urigen „Casa del Corregidor“  („Haus des Landvogts“) und der eleganten „Casa Consistorial“ („Rathaus“) repräsentative Bauten im Stil der Renaissance hinzu.

Weiter westlich erhebt sich unübersehbar die Hauptkirche des Ortes, die „Iglesia de Nuestra Sra. de la Encarnación“ („Unsere liebe Frau von der Fleischwerdung“). Ihr Bau wurde 1618 begonnen, diverse barocke Seitenaltäre lohnen einen Blick ins Innere, was werktags von 8 – 22 Uhr und sonntags von 9.30 – 22 Uhr möglich ist. Freunde klassischer Musik sollten sich nach den gelegentlichen Konzerten renommierter Orchester im Kircheninneren erkundigen. Kunsthistorisch nicht so bedeutsam, aber sehr pittoresk verschönert die „Ermita“ („Einsiedelei“) „Santo Cristo de la Vera Cruz“ aus dem späten 15. Jh. die gleichnamige Plaza im Norden der Altstadt. Ihr mit den typisch andalusischen „Azulejos“ („glasierten Kacheln“) eingedeckter Glockenturm hat es mit seinem blau – weißem Farbenspiel zu einem der beliebtesten Fotomotive der Stadt gebracht.

Für Nachtschwärmer öffnet schräg gegenüber das traditionsreiche Flamenco – Lokal „Tablao Flamenco Ana María“ jeden Donnerstag, Freitag und Samstag ab 23 Uhr seine Pforten – bei rauhem Gesang und rhythmisch akzentuierer Fussarbeit der Tänzer kann man hier der Seele Andalusiens nachspüren.

Gassen

Malerisch Gassen in der Altstadt

Anders als z.B. in Granada, ist in Marbella von maurischer Kunst und Architektur nicht mehr viel zu sehen: neben der bereits erwähnten Stadtmauer kann das heute überwiegend von Wohnungen und einer Schule eingenommene „Castillo“ („Burg“) eine Ahnung von der Bedeutung Marbellas im Mittelalter vermitteln. Unweit davon verlockt der einst auch als Krankenhaus genutzte Renaissance-Palast „Palacio de Bazán“ mit dem „Museo del Grabado Español Contemporáneo“ Kunstfreunde mit einer beachtlichen Sammlung von druckgraphischen Werken zum Besuch, der Eintrittspreis ist sehr moderat. Namhafte spanische Künstler wie Goya, Picasso, Dalí oder Miró sind hier mit Lithographien, Holzschnitten und Radierungen zu bewundern. Gänzlich kostenfrei darf man natürlich die rund ein Dutzend Bronzeskulpturen des berühmten katalanischen Surrealisten Salvador Dalí an der Promenade „Avenida del Mar“ betrachten, an denen man auf einem Spaziergang zum Strand quasi automatisch entlanggeht.

Wer sich für exotische Pflanzen interessiert kann, ebenfalls kostenfrei, den kleinen Park „Parque de la Constitución“ im Viertel oberhalb des Stadtstrands besuchen. Blickfang ist hier zweifellos der aus Argentinien stammende Florettseidenbaum mit seinen orchideenartigen rosa Blüten. Auf wesentlich kleinere Bäumchen hat sich naturgemäß das „Museo del Bonsai“ im nördlichen Stadtgebiet spezialisiert, welches für 4€ Eintritt einen repräsentativen Querschnitt dieser japanischen Gartenbaukunst vermittelt.

Sehenswertes in der Umgebung von Marbella

Yachten im Hafen von Marbella

Yachten im Hafen von Marbella

Ein beliebter Ausflug von Marbella ist der nur 5 Kilometer entfernte Yachthafen Puerto Banús, so benannt nach seinem Schöpfer, José Banús. 1970 eingeweiht, entwickelte sich die sehr einheitlich wirkende Anlage zu einer ebenso weitläufigen wie exklusiven Marina für fast 1000 Wasserfahrzeuge. Die exorbitant hohen Liegegebühren korrespondieren sowohl mit der Größe der hier ankernden Luxusyachten wie auch dem Preisniveau der dazugehörigen Nobelkarrossen. Zahlreiche Schaulustige verwandeln sich hier in Hobby – Paparazzi und lauern mit schussbereiter Kamera den Jet – Settern auf, für die Marbella nach wie vor berühmt ist.

Auf dem Weg von Marbella nach Puerto Banús kommt man in der Urbanización Coral Beach an einem kleinen Museum, dem „Museo Ralli“ vorbei, das durchaus einer näheren Betrachtung würdig ist. Der Kurator hat sich vor allem auf die weniger geläufige zeitgenössische lateinamerikanische Kunst spezialisiert, mit Joan Miró, Salvador Dalí, Marc Chagall und Giorgio de Chirico sind aber auch berühmte Namen der europäischen „Klassiker der Moderne“ vertreten. Das Museum ist von Dienstag bis Samstag von 10 – 15 Uhr kostenfrei zu besuchen.

Mit Marbella würde man wohl kaum römische oder frühchristliche Kunst in Verbindung bringen, aber auch in dieser Hinsicht hat die Stadt in ihrem Umkreis einige versteckte Schätze zu bieten. So stösst man in der Urbanisation „Linda Vista Playa“ südlich von San Pedro de Alcántara unvermutet auf die Ruine einer frühchristlichen Basilika aus dem 6 Jh., die von den Westgoten auf den Grundmauern eines römischen Fischerdorfes errichtet wurde. Auffällig sind dabei die beachtlichen Dimensionen des Taufbeckens, da es zu jener Zeit üblich war, dass der, durchaus schon erwachsene, Täufling komplett untergetaucht wurde. Neben der Kirche sind die Relikte eines christlichen Gräberfeldes nachgewiesen.

Auf der Strecke zwischen Puerto Banús und Marbella wurde in der Urbanisation „Rio Verde“ eine römische Villa aus dem 1. Jh. entdeckt, die mit 5 Zimmern und einem Innenhof durchaus feudale Dimensionen gehabt haben muss. Wie auch an anderen Orten Andalusiens, konnten die Archäologen hier kunstvoll gestaltete Bodenmosaike, wie z.B. das schlangenhaarige Haupt einer Medusa, freilegen. Eher rätselhaft war für die Wissenschaftler lange Zeit die Funktion der Gewölbe „Las Bovedas“ aus dem 3. Jh., die sich am Strand unweit des Golfclubs Guadalmina in der Umgebung von San Pedro de Alcántara erheben. Inzwischen geht man davon aus, dass es sich hierbei um Überreste römischer Thermen handelt. Da die genannten archäologischen Stätten nicht leicht zu finden sind und nur von autorisierten Personen betreten werden dürfen, sollte man sich einer offiziellen Führung, die von den Touristinformationen angeboten wird, anschließen.

Tagesausflüge von Marbella

Die „Route der Weißen Dörfer“ wurde zwar von findigen Tourismus – Strategen in der westlichen Nachbarprovinz Cádiz angelegt, aber natürlich gibt es auch im Umland von Marbella Weiße Dörfer, die zu einem genussreichen Bummel einladen. In einer halben Stunde Autofahrt ist z.B. das oberhalb von Estepona gelegene, noch sehr ursprüngliche Dorf Casares zu erreichen. Wie ein Schneefeld zieht sich die Bebauung von einem Berghang zu einem Felssporn, weite Ausblicke auf die westliche Costa del Sol sind garantiert. Innerhalb des ummauerten Kernbereichs stechen die aus dem 13. Jh. stammende Burg „Castillo Àrabe“, die Pfarrkirche „Iglesia de la Encarnación“ und die Kapelle „Ermita de Vera Cruz“ hervor. Noch eine weitere Viertelstunde Fahrt landeinwärts liegt das ebenfalls sehr hübsche Dorf Gaucín auf einer Art Aussichtsterrasse inmitten großartiger Gebirgslandschaft. Bei klarer Sicht ist sogar der Felsen von Gibraltar in der Ferne erkennbar. Auch hier darf natürlich eine maurische Burgruine nicht fehlen, sie wird sinnigerweise „Castillo de Aguila“ („Adlerburg“) genannt, da sie wie ein Adlerhorst auf einem 150 Meter hohen Felsen sitzt.

Marbella Strand

Weitläufige Strände laden zum Ausflug ein

Das vielleicht schönste „Pueblo Blanco“ Andalusiens ist mit rund 37.000 Einwohnern eher eine Kleinstadt  – das für seine spektakuläre Schlucht berühmte Ronda, das von Marbella über eine kurvenreiche, aber gut ausgebaute Landstraße in einer Dreiviertelstunde zu erreichen ist. Durch eine Laune der Geschichte auf zwei Seiten einer fast 100 Meter tiefen Schlucht hingestreut, blickt der erstaunte Besucher bei einem Spaziergang immer wieder in einen gähnenden Abgrund, an dessen Grund ein kleines Flüsschen, der Rio Guadalevín, plätschert. Auf der einen Seite der Schlucht breitet sich die einst im Wesentlichen von den Arabern angelegte Altstadt „La Ciudad“ aus, die mit weiß gekalkten Häuschen und schmalen, gewundenen Gassen noch sehr viel orientalisches Flair ausstrahlt. Auf der anderen Seite erstreckt sich die Neustadt „El Mercadillo“, die mit der wohl ältesten Stierkampfarena der Welt, die erste „Corrida“ fand hier vor gut 230 Jahren statt, eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges zu bieten hat. Wer heute noch in diesem barocken Gebäude das archaische Ritual zwischen Matador und Stier betrachten möchte, muss sich allerdings Anfang September zur „Feria de Pedro Romero“ nach Ronda bemühen. Nur zum Festtag des vielleicht berühmtesten Toreros aller Zeiten werden hier noch Stierkämpfe, zu ziemlich deftigen Eintrittspreisen, veranstaltet. Beide Ortsteile werden durch den „Puente Nuevo“, die „Neue Brücke“, die aber kaum jünger als die Arena ist, verbunden. Die an römische Aquädukte erinnernde, die Schlucht „El Tajo“ in knapp 90 Meter Höhe überwindende Konstruktion dürfte das meistfotografierte Monument der kleinen Stadt sein.

Ein Ausflug in eine andere Welt ist sicherlich der Besuch der britischen Kronkolonie Gibraltar. Die dramatisch 426 Meter aus dem Mittelmeer aufsteigende Halbinsel ist von Marbella aus in einer guten halben Stunde zu erreichen und als Kuriosität sicherlich besuchenswert. Das von rund 30.000 Menschen bewohnte Gibraltar – Stadt kann noch mit einigen viktorianischen Gebäuden und Befestigungsanlagen aufwarten. Der eigentliche Anziehungspunkt ist aber sicherlich das Naturreservat Upper Rock, das mit der Seilbahn „Cable Car“ oder mit einer organisierten Minibus – Tour erkundet werden kann. Hier ist vor allem ein Spaziergang durch den im späten 18. Jh. in den Fels gegrabenen Belagerungstunnel „The Great Siege Tunnels“ empfehlenswert, Geschichte ist hier sehr eindrücklich erlebbar. Auch an natürlichen Höhlen ist in diesem Muschelkalkfelsen kein Mangel, die Tropfsteinhöhle „St. Michael´s Cave“ ist zwar sehr touristisch aufgemacht, aber aufgrund ihrer Dimensionen dennoch eindrucksvoll. Die meisten Besucher lassen sich natürlich den berühmten Affenfelsen „Apes Den“ unweit der Mittelstation der Seilbahn nicht entgehen. Die einst von den Berbern aus dem Hohen Atlas eingeschleppten Makaken gelten als die behaarten Hüter der britischen Krone, denn solange sie leben soll Gibraltar britisch bleiben. Ein extra dafür zuständiger Sergeant der britischen Armee sorgt dafür, dass es so bleibt und so geht es den Gibraltar – Affen natürlich bestens.

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